Das andere Haus von Rebecca Fleet | Buchbesprechung

Caroline verbringt mit ihrem Mann Francis eine Woche Urlaub in einem Londoner Vorort. Endlich mal wieder eine Zeit nur zu zweit – ohne Eddie, den gemeinsamen Sohn. Die beiden wollen sich endlich wieder näher kommen. In Rückblicken erzählen sowohl Caroline als auch Francis in Ich-Form, wie sie vor zwei Jahren gelebt hatten, als alles in Schieflage geraten war. Wie er, Francis, eigentlich beruflich als Therapeut tätig, immer tiefer in eine Lebenskrise gerutscht war, mit Tabletten das Leben zu ertragen versucht hatte und immer apathischer, motivationsloser und lebensmüder geworden war. Wie sie, Caroline, sich in dieser Zeit in einen Arbeitskollegen verliebt hatte. Wie sich immer mehr aus den Augen und aus dem Gefühl verloren hatten.

Deshalb zögern sie nicht lange, als ihnen auf einer Haustausch-Webseite eine Wohnung in der Nähe Londons angeboten wird. Schon bald findet Caroline scheinbar harmlose Gegenstände in der Wohnung, die sie verstören und Erinnerungen an schlimme Erlebnisse wecken.

So viel zum Plot, den ich grundsätzlich ganz okay finde, auch wenn sich die auf dem Klappentext angekündigte Dramatik so nicht erfüllt hat.

Leider überzeugen mich die Figuren nicht wirklich. Die Hauptfigur, Caroline, ist mir eher unsympathisch; ihre Erzählstimme ist mir zu rechtfertigend. Obwohl sie – im Gegensatz zu Francis – relativ komplex gezeichnet ist, kann ich ihre Gedanken und Handlungen oft nicht nachvollziehen. Als Mensch bleibt sie mir bis zum Schluss fremd. Manches an diesem sogenannten Psychothriller, den ich einfach Roman nennen würde, wirkt – obwohl Rebecca Fleet durchaus spannend und flüssig zu schreiben versteht – inszeniert, streckenweise konstruiert. Die Geschichte, die im letzten Viertel nochmals eine ziemliche Wende nimmt, ist oft langatmig und das Ende war sowohl voraussehbar – als auch nicht. Gute Unterhaltung, aber ich hätte, muss ich gestehen, das Buch, wenn ich es nicht zu rezensieren versprochen hätte, nach dem ersten Drittel weggelegt.


Goldmann Verlag
Broschiert und eBook
ISBN: 978-3-442-20559-2
€ 15,00 [D] inkl. MwSt. | € 15,50 [A] | CHF 21,90* (* empf. VK-Preis)
Seitenzahl: 352
Erschienen im August 2018