Wer andern eine Bombe baut von Christopher Brookmyre | Buchbesprechung

Ich gestehe, dass ich Christopher Brookmyre bisher nicht kannte. Bedauerlich, denn mir fällt spontan kein aktueller britischer Autor ein, der Spannung und den seiner Heimat eigenen Humor so geschickt kombinieren kann wie er. Doug Adams lässt grüßen.

Das Buchcover zeigt eine klassische runde Bombe mit Zündschnur. Darin eine schwarze menschliche Silhouette vor orangerotem kreisförmigem Hintergrund. Über diesem orangen Kreis steht in weißer Schrift im oberen Teil der Bombe der Buchtitel. Das Cover ist hinter der Bombe in gelbgrünstichigem Blau, worauf oberhalb der Bombe in schwarzer Schrift der Name des Autors steht.Im gestern endlich auf deutsch erschienen Thriller aus dem Jahre 2001 werde ich mitten in eine Welt geworfen, in welcher der gewissenloser Auftragsterrorist Black Spirit ein Verbrechen im Vereinigten Königreich plant wie es die Welt noch nie gesehen hat. Über mögliche Ziele spekulieren selbst die Geheimdienste, doch niemand weiß etwas Genaueres über das Ziel. Derweil wird der von seinem langweiligen Arbeitsalltag als Lehrer unterforderte und von seinem Alltag als Vater eines Schreibabys überforderte Ray – seines Zeichens Computernerd der ersten Stunde – mitten aus der Schule entführt. Dass zwei seiner Schüler nicht zum Unterricht erscheinen, wirft ebenfalls Fragen auf und ruft die Polizei auf den Plan. Die toughe Ermittlerin Angelique folgt schon bald heißen Spuren in die schottischen Highlands.

Ray gelingt zum Glück eine abenteuerliche Flucht aus den Fängen der Terroristen, doch als er endlich Kontakt zur Polizei aufnehmen und seine unglaubliche Geschichte erzählen kann, ist es zu spät. Die Farm, die den Terroristen als Basislager gedient hat, wurde fluchtartig geräumt. Einzig die Skizze eines Stadions liegt noch in einer Schublade. Das mögliche Ziel des nächsten Attentats?

Angelique glaubt Ray, dass er mit dem Verschwinden der beiden Schüler nichts zu tun hat, obwohl vor Rays Haus gegen ihn, den offenbar pädophilen Lehrer, demonstriert wird. Auch seine Frau Kate, die mit dem Baby Martin zuhause die Stellung hält, überzeugt Angelique davon, dass Ray nicht freiwillig verschwunden ist. Ray macht sich inzwischen auf die Suche nach der Witwe seines alten Freundes Simon, der bei einem Flugzeug abgestürzt ist und den er am Tag vor der Entführung auf dem Flughafen zu sehen geglaubt hat. Von der jungen Witwe erfährt er mehr über das Monster, das sein alter Freund vor seinem Tod geworden ist. Er bestätigt ihr, dass Simon immer schon narzisstisch und machtgeil gewesen ist, woran schließlich auch ihre Freundschaft damals zerbrochen ist.

Angelique und Ray erkennen das Muster hinter dem geplanten Attentat und geraten in Ereignisse, die sich immer rasanter verändern, schnelle Entscheidungen erfordern und in welchen Computergames, einige alte Rockbands, zwei jugendliche Schulschwänzer und eine Harpune die Hauptrollen spielen.

»Das Buch schlägt auf dem Weg zum halsbrecherischen Showdown in den schottischen Highlands einen Haken nach dem anderen und wird dabei immer mehr zum packenden Thriller. Wie schon in seinen vorherigen Romanen brennt Brookmyre dabei aber auch ein wahres Feuerwerk an genialen Dialogen, irrwitzigen Situationen, Popkulturreferenzen und tiefschwarzem Humor ab.«
Quelle: KiWi

Das kann ich unterschreiben. Tatsächlich faszinierte mich Bookmyres Schreibstil von der ersten Seite an. Ich mag Brookmyres Detailtreue beim Zeichnen seiner Figuren. Aus ihr spricht seine literarische Begeisterung, die mich immer wieder mitreißt. So sehr, dass selbst ich, die ich von Computergames keine Ahnung habe, Teil jener Parallelwelten werde, die Ray sich in seiner Vorstellung installiert, um den Schrecken, die er erlebt, etwas entgegenhalten zu können. Ansteckend leidenschaftlich ist auch die wiederkehrende Auseinandersetzung mit den Anfängen der Rockmusik. Rock’n’Roll einmal ganz anders.

Kurzum: Ich bin begeistert!


Kiepenheuer & Witsch
Titel der Originalausgabe: A Big Boy Did It And Ran Away
Aus dem schottischen Englisch von Hannes Meyer
512 Seiten
ISBN eBook: 978-3-462-31842-5; D: 14,99 €
ISBN Print: 978-3-86971-163-8; D: 16,00 €, A: 16,50 €
Erschienen am: 08.03.2018