Der Mensch ist frei – herausgegeben von Michael Au und Alexander Wasner | Buchbesprechung

»Die beiden großen Zweibrücker Künstlerfamilien mit fünf Mitgliedern vereint in einem Buch – das gab es noch nie!«, schreibt Andrea Dittgen, die Kulturredaktorin der Rheinpfalz, am 12. Dezember in der Zweibrücker Ausgabe.

Buchcover von oben nach unten: In gelber Schreibmaschinenschrift leicht schräg wie alles auf dem Bild der Titel: Der Mensch ist frei. Darunter eine alte Schreibmaschine von oben, unten in weißer Schrift der Titel der Serie: Gegend Entwürfe 2018 und die Namen der Herausgeber sowie der Verlagsname.
Buchcover Der Mensch ist frei [Pinker Einband mit Schreibmaschine in der Bildmitte. Oben Titel, unten Untertitel, Herausgeberschaft und Verlag]
In der vor zwei Tagen erschienenen Anthologie, die ich als Rezensionsexemplar schon ein paar Wochen vorher bestaunen und anlesen durfte, finden sich Texte unterschiedlichster Art.

Was für ein schönes Buch!, dachte ich, als ich es auspackte. Ein geradezu haptisches Erlebnis ist es, das hochwertig hergestellte Buch aufzuklappen und das feine, ästhetisch ansprechend bedruckte Papier anzufassen. Dazu ein pinkes Lesebändchen! Herz, was willst du mehr?

Gute Texte zum Beispiel, klar! Und ja, die gibt es. Zuhauf.

Erzählungen, Lyrik, Familiengeschichten, dazu auch Texte über Texte – so viel verrät das Inhaltsverzeichnis über die Gliederung. Umrahmt und eingeleitet werden die einzelnen Kapitel von den sowohl spannenden als auch informativen Metatexten der beiden Herausgeber Michael Au und Alexander Wasner. Michael Au leitet seit 2010 das Mainzer Referat Literaturförderung im Kultusministerium, Alexander Wasner arbeitet als Redaktor und Autor beim Südwestrundfunk und redigiert seit 2001 die ARD-Sendung ’lesenswert’. Das Team hat also die idealen Voraussetzungen für diese literarische Momentaufnahme, für diesen sogenannten Gegend Entwurf durch das Bundesland Rheinland-Pfalz.

Neben den eingangs erwähnten ’großen Zweibrücker Künstlerfamilien’ – gemeint sind hier die Ohlers und die Rincks – darf ich auch ein Interview mit der Autorin Root Leeb und ihrem Partner, dem Wahl-Rheinlandpfälzer Rafik Schami, lesen.

Im ersten Teil Erzählungen finde ich Texte von Daniel Goetscch, Tania Witte, Anke Velmeke, Stefan Nink und anderen. ’Lesen – ein Privileg’, fragt sich Marjana Gaponenko und ’Die Deutschen sind manchmal schon noch sehr, naja, deutsch’ stellt Sarah Stricker – mit einem Blick von außen und nicht ohne Augenzwinkern – im vierten und letzten Teil des Buches fest, als sie nach vielen Jahren Abwesenheit mal wieder durch die alte Heimat reist.

Ein Buch, das dazu auffordert, darüber nachzudenken, wie frei der Mensch tatsächlich ist.

Ob sich diese Freiheit womöglich auf Bahnhöfen finden lässt? Monika Rinck, Lyrikerin aus Zweibrücken und Wahlberlinerin, schreibt in ’Landschaft ist Topf am Bahnhof’ über den Bahnhof Pirmasens Nord. Sie spricht von vermeintlicher Endgültigkeit und von Verlangsamung. In ’Sie können Schotter nicht vorstellen’ hinterfragt sie die Ehrlichkeit von Gegend. Mit vielsinnigem Wortwitz führt sie uns an Grenzen und stellt in ’Du weißt es nicht’ in Frage, ob es einer Gegend reicht, wenn eine Person, ein Kind, am Straßenrand winkt.

Wann ist Gegend Gegend und was genau ist Ankommen?

Kann man denn überhaupt je ankommen, wenn man ein Reisender ist, ein Artist-in-Motion, einer, der von A nach B unterwegs ist? Der Konzeptkünstler Jürgen Rinck, der zwei Blogtexte zur Anthologie beigesteuert hat, ist im ersten der beiden Texte unterwegs – wie so oft. Doch auf einmal hält er inne. Und isst. Wie es dazu kam, dass er eine Stunde später mit Joseph, dem Mann jenseits des Gleises, Omelette verspeist? Buch aufschlagen. Lesen.

Ach, so viele, viele feine Texte – ich könnte noch viele zitieren! Ein Buch, das zum Schmöckern, Eintauchen und Nachdenken einlädt und sich der Frage nach der Freiheit aus immer wieder anderen Blickwinkeln stellt.

»Mit den GEGEND ENTWÜRFEN 2018 streifen wir wieder einmal durch die literarische Szene von Rheinland-Pfalz – und leihen uns als Titel in diesem Jahr den ersten Satz der Landesverfassung. Denn: „Der Mensch ist frei“ ist auch eine künstlerische Aussage, utopischer Gegenentwurf zur Welt, in der wir leben. Texte und Gespräche von und mit Birge Amondson, Gerbrand Bakker, Andreas Dury, Arno Frank, Marjana Gaponenko, Daniel Goetsch, Dieter M. Gräf, Frank Jakubzik, Sarah Stricker, Marcus Steinweg, Lutz Herrschaft, Dietrich Machmer, Heinz Monz, Stefan Nink, Norman Ohler, Wolfgang Ohler, Monika Rinck, Jürgen Rinck, Rafik Schami, Kurt Scheel, Marcus Steinweg, Sarah Stricker, Philipp Theison, Anke Velmeke, Jan Wagner, Tania Witte, Irina Wittmer und Ken Yamamoto.«

Quelle: www.verlag-koenigshausen-neumann.de

Klappentext

„Der Mensch ist frei“ – was für ein schöner, klarer und anregender Satz. „Gedanken sind frei“, auch der Satz schwingt da mit. Mit den Gegend Entwürfen 2017 streifen wir wieder einmal durch die literarische Szene von Rheinland-Pfalz – und leihen uns als Titel in diesem Jahr den ersten Satz der Landesverfassung. Sie wurde vor 70 Jahren beschlossen. Denn: „Der Mensch ist frei“ ist auch eine künstlerische Aussage. Frei muss er sein, um schreiben zu können, frei im Kopf und frei im Leben. Und gleichzeitig ist der Satz ein frommer Wunsch. Und als solcher ist er utopischer Gegenentwurf zur manchmal doch störenden Welt, in der wir leben. Und so, zwischen Ausschmückung, Annäherung und Möglichkeit, bewegen sich die Texte in diesem Band. In Lyrik, Prosa, Essay, Gespräch stellen wir einmal mehr die literarische Szene des Landes vor. U.a. mit Texten von: Rafik Schami, Dieter Gräf, Sarah Stricker, Marcus Steinweg, Lutz Herrschaft, Monika Rinck, Jürgen Rinck, Kurt Scheel, Philipp Theison, Katharina Schultens und Arno Frank.


Michael Au/Alexander Wasner (Herausgeber): „Der Mensch ist frei – Gegend Entwürfe 2018.
Lesebuch für Literatur aus Rheinland-Pfalz 2018. Band 2“
ISBN: 978-3-8260-6318-3
Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2018
300 Seiten
Erschienen am 12. Dezember 2018
24,80 Euro