Einschlafgeschichten für Erwachsene von Ithar Adel | Buchbesprechung

Da ich schon lange an Schlafstörungen leide, schon viel probiert und mit Meditieren oft gute Erfahrungen gemacht habe, zudem Meditation als etwas Sinnvolles, Heilsames, Wirksames erlebe, wollte ich dieses Buch hier unbedingt lesen. Geschrieben hat es Ithar Adel, der für die Meditations-App 7 Mind – offenbar erfolgreich – Meditationen verfasst.

In verschiedenen Violetttönen gehaltene Grafik mit Verlag, Buchtitel, schlafender Person.
Buchcover

In der Ankündigung hatte ich bereits gelesen, dass es sich hierbei um Geschichten mit idyllischem Setting und wenig Spannung handle, die mich als Leserin zu ihrer inneren Ruhe führen und sanft in einen nachhaltig gesunden Schlaf hinüberleiten sollen. »Habe ich meine Leserschaft spätestens auf der zweiten Seite verloren, dann habe ich alles richtig gemacht«, schreibt der Autor über seine Geschichten. So viel zur Theorie.

Nur dass ich es leider nicht so mit Theorien habe. Denn leider habe ich mich von den immer wieder auftretenden Unstimmigkeiten in den Geschichten ablenken lassen und mich an den allzu sülzigen, kalenderspruchartigen Formulierungen, die mich auch bei Meditationen oft nerven, gestört. Zu viel Klischee bestätigt selbiges leider oft.

Dazu kommen botanische und chronologische Unstimmigkeiten wie zum Beispiel, dass das gerade erst gemähte Gras als Heu bezeichnet wird; oder dass die erwähnte Jahreszeit nicht zur Blütezeit bestimmter Pflanzen, die in der Geschichte vorkommen, passt. Natürlich kann das vorkommen. Und natürlich sollte ich mich über solcherlei nicht nerven. Ich sollte mir stattdessen die Geschichte wie eine Art Märchen zu Gemüte führen und dann eben, wie beabsichtigt, sanft einschlafen. Kann ich leider nicht.

Ein anderer Minuspunkt ist der Heile-Welt-Trigger, wie ich ihn hier mal nennen will. Denn ja, nicht nur schlimme, auch allzu schöne Sachen können triggern. Nicht vorhandene Erinnerungen an wunderschöne Kindheiten zum Beispiel. Für Menschen, die in ihrer Kindheit Heile-Welt-Erlebnisse hatten, liebevolle Omas und Tanten zum Beispiel, die eine:n umarmen und bekochen, mögen solche Geschichten ganz wunderbar sein. Wer solche Erfahrungen nicht hatte, wird mit der Nase direkt in die Mangel-Wunde gedrückt. Ich empfehle das Buch aus diesem Grund nur mit Vorbehalt und Triggerwarnung.

Zugegeben, nicht alle Geschichten sind gleich problematisch für mich. Zwei fand ich sogar schön, das waren die Geschichte vom Regensonntag (Ein Tag für mich allein) und die vom Polarkreis (Die Lichter des Nordens). Am andern Ende der Skala befindet sich meiner Meinung nach die Geschichte Der milde Westen. Wie gesagt: Geschmackssache. Festgestellt habe ich, dass bei mir definitiv die Ich-Perspektive besser funktioniert .

Besser hätte ich es gefunden, die Geschichte noch mehr ins Märchenhafte zu übertragen. Dann wären die Diskrepanzen mit der Realität weniger störend. So aber wirken fast alle Geschichten konstruiert, in ihrer Weichheit unnatürlich und an der Grenze zum Kitsch. Und genau das wirkt auf mich eher auf- statt abregend.

Wer aber darüber hinwegsehen kann, dass die Botanik nicht immer korrekt ist und sich einfach schöne Heile-Welt-Gutnachtgeschichten erhofft, hat sicher Freude an diesem Buch. In die Geschichten eingewoben werden da und dort Atemübungen und Bodyscans, was ich in Ordnung fand.

Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar erhalten und gelesen und ich bedanke mich beim Autor und dem Allegria-Verlag für das Experiment. Nicht alles passt für alle.


Allegria
Erschienen: 31.08.2020
Hardcover
160 Seiten
ISBN: 9783793424291
Erschienen: 31.08.2020
€ 17,99 [D] € 18,50 [A]
€ 15,99 [D] € 15,99 [A]
Ullstein eBooks
160 Seiten
ISBN: 9783843724364
€ 15,99 [D] € 15,99 [A]