{"id":186,"date":"2014-12-18T18:19:22","date_gmt":"2014-12-18T17:19:22","guid":{"rendered":"http:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/?page_id=186"},"modified":"2023-03-05T13:39:34","modified_gmt":"2023-03-05T11:39:34","slug":"alessa-und-das-loch-im-eis","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/?page_id=186","title":{"rendered":"Alessa und das Loch im Eis"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 4px;\"><strong>Roman | Arbeitstitel<\/strong><\/p>\n<p>Als die Journalistin Alessa eines Tages beim Yoga Christa kennenlernt, ahnt sie nicht, wie einschneidend sich diese Freundschaft auf ihr Leben auswirken wird. Auch nicht, nachdem sich Christa einige Zeit sp\u00e4ter in Danio verliebt. Zumal die Frauenfreundschaft nun droht, im Sand zu verlaufen. Erst in einer schweren Krisenzeiten finden die beiden Frauen wieder zueinander. Nachdem Christa Danio verlassen hat, gibt dieser sich seinem eigenen Verfall hin. Seine psychischen Probleme und \u00c4ngste vor dem Leben verdichten sich zusehends. Eines Tages entdeckt er in der Stadt eine Frau, die Christa sehr \u00e4hnlich sieht und die er von da an stalkt. Einen Tag vor Heiligabend brennen seine Sicherungen durch.<br \/>\n(Schreibprozess seit 2008)<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Was habe ich schon zu verlieren? Ein Satz \u2013 ein Echo aus einer anderen Welt. Er reibt sich den Schlaf aus den Augen. Nur langsam setzt er sich zusammen und st\u00fctzt sich an der Wand ab. Der Wecker zeigt sechzehn Uhr einundzwanzig. Durch die d\u00fcnnen Vorh\u00e4nge dringt novemberliches D\u00e4mmerlicht. Der k\u00fcrzeste Tag naht. Bald Weihnachten.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Er geht in die K\u00fcche. Verheddert sich in seinen Kleidern, die am Boden liegen und h\u00e4lt sich am K\u00fcchentisch fest. Durch den Ruck f\u00e4llt die halbleere Bierflasche vom Mittag um. Eine gelbe Pf\u00fctze breitet sich auf dem Tisch aus und tropft zu Boden. Lauwarmer Biergeruch und Brechreiz. Mit einem Lappen, der am Tischrand klebt, wischt er die Bierlachen auf. Dabei ist da nichts zu lachen, gar nichts. Zwischen eingetrockneten Tellern bleibt der triefende Lappen in der Sp\u00fcle liegen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier , monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Er setzt sich hin und trinkt das Wasserglas leer, das den Bierflaschensturz \u00fcberlebt hat. Auf einmal sind die Bilder wieder da. Das Loch. Er selbst hatte es ins Eis gebohrt. Womit? Er hat es vergessen. Noch so eine L\u00fccke. Eines dieser L\u00f6cher, wie sie die Eisfischer bohren, war es. Und er hatte ein Seil, eine Angelleine vermutlich, ausgeworfen. Kn\u00fcpfte er an Erfahrungen an? Erinnert ein Traum an Vergangenes \u2013 gesch\u00f6nt und poliert oder verzerrt und pervertiert \u2013, das nun durch seine Sinne geistert?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Das Loch. Er hatte sich zugeschaut, im Traum, wie er darum herum getappt war. Vorsichtig, um nicht einzubrechen. Um sich nicht zu verlieren. Um nicht unterzugehen im Leck. In der L\u00fccke zwischen gestern und morgen. Im Jetzt. L\u00fccke ohne Br\u00fccke. Loch im Nichts. Loch in der Zeit. Ohne Erinnerung. Ohne Energie. Ohne Bewegung und ohne Ger\u00e4usche. Keine Musik, kein Thema. Kein Gewicht. Kein Gesicht. Leere Zeit. Leeres Loch. Schwarzes Loch.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Verdichtetes Nichts. Dichter als Nebel. Und er mitten drin. Versunken, betrunken, ertrunken, vertr\u00e4umt, verlassen. Verdichteter Nicht-Mann. Verdichtetes Nicht-Ich. Mitten im Nicht das Ich, das nicht wirklich ist, weil er sich weigert, jetzt zu sein. Jetzt hier zu sein. Jetzt er zu sein. Obwohl er dennoch ist. Absurdes Urteil, leben zu sollen. Leben zu wollen?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Selbst gew\u00e4hlt? Als ob ich es aus der Aktionenw\u00fchlkiste herausgezogen h\u00e4tte, dieses Leben, das ich trage, denkt er und trinkt noch einen Schluck Wasser. Ein Leben, das ich mir irgendwann \u00fcbergestreift habe. Wie sonst k\u00f6nnte ich hier sein?<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Ein Ich ohne Inhalt. Ein Nicht. Schon immer leer. Schon immer. Noch immer. Das schwarze Loch \u2013 noch immer schwarz. Oder nie und nichts. Alles Illusion.<\/span><\/span><\/p>\n<p>(1. Zitat aus<em> Alessa und das Loch im Eis<\/em>)<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Sein Leck ist unsichtbar. Darum ignoriert er es. Beweisen kann man so etwas sowieso nicht. Das Leck, das schwarze Loch frisst alles auf. Es frisst das Nichts auf, mit dem er sich f\u00fcttert. Die Leere. Den Mangel. Es ist \u00fcber all die Jahre nicht kleiner geworden. Immer ruft es nach mehr. Sein Loch will Liebe, Verst\u00e4ndnis, Ber\u00fchrung, Aufmerksamkeit. Doch selbst die beste Speise n\u00e4hrt ihn nicht. Und das Loch erst recht nicht. Alles l\u00e4uft aus. Alles l\u00e4uft davon.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Wer das Loch gerissen hat oder woher es kommt, wei\u00df er nicht \u2013 nur kennt er das Ziehen, das Rei\u00dfen und er ahnt mehr als er es wei\u00df; dass es n\u00e4mlich schon immer da war. Schon so lange, wie es ihm gelingt, sich zur\u00fcckzuerinnern. Als w\u00fcrde er sich weit aus dem Fenster lehnen und dem Kind zuschauen, dass er war.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Schon immer hungerte das Loch in ihm, danach dazuzugeh\u00f6ren, danach nicht so sehr anders zu sein, nicht so sehr zu sein wie er. So? Wie <em>so<\/em> ist er denn \u00fcberhaupt und wie viel anders darf einer denn sein, um nicht aufzufallen, um nicht rauszufallen? Eigentlich ist er doch ganz in Ordnung. Vielleicht.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Aber niemand merkt es, weil er unsichtbar ist. Er selbst ist das Leck. Er selbst ist das schwarze Loch. Und wenn er noch so sehr sein Inneres nach au\u00dfen st\u00fclpt um das Loch zu finden und zu reparieren, er findet es nie. Er bekommt es nicht zu fassen, denn das Loch ist ja er selbst.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Und darum, darum wird er nie genug bekommen. Nie genug Liebe. Nicht von ihr. Schon gar nicht von sonst wem. Und darum gibt es nur eins.<\/span><\/span><\/p>\n<p>(2. Zitat aus<em> Alessa und das Loch im Eis<\/em>)<\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><em>\u00a9 by Denise Maurer<br \/>\n<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman | Arbeitstitel Als die Journalistin Alessa eines Tages beim Yoga Christa kennenlernt, ahnt sie nicht, wie einschneidend sich diese Freundschaft auf ihr Leben auswirken wird. Auch nicht, nachdem sich Christa einige Zeit sp\u00e4ter in Danio verliebt. Zumal die Frauenfreundschaft nun droht, im Sand zu verlaufen. Erst in einer schweren Krisenzeiten finden die beiden Frauen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":47,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"nosidebar.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-186","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/186","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=186"}],"version-history":[{"count":17,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/186\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1573,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/186\/revisions\/1573"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=186"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}