{"id":210,"date":"2014-12-18T18:55:37","date_gmt":"2014-12-18T17:55:37","guid":{"rendered":"http:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/?page_id=210"},"modified":"2023-03-05T13:39:34","modified_gmt":"2023-03-05T11:39:34","slug":"am-ende-aller-meere","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/?page_id=210","title":{"rendered":"Am Ende aller Meere"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin-bottom: 4px;\"><strong>Roman | Arbeitstitel<\/strong><\/p>\n<p>Der Titel dieses im Winter 2006 entstandenen Romanmanuskripts spielt auf die Grenzen unserer Vorstellungskraft an. Und auf Grenzen im allgemeinen. Die einen \u00fcberschreiten mutig eigene, die andern unbedacht die der anderen. Schaden und Nutzen, Freude und Leid, \u00dcbermut und Weisheit treffen aufeinander. Wo fangen sie an, unsere Geschichten, und wo h\u00f6ren sie auf?<br \/>\nW\u00e4hrend die junge Moana versucht, mit der Entdeckung eines ver\u00fcbten Unrechts umzugehen, wagt es ihre Mutter Olivia, sich auf ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse r\u00fcckzubesinnen. Ihre Freundin Rona schaut ihren \u00c4ngsten in die Augen und \u00f6ffnet sich f\u00fcr die Ver\u00e4nderungen in ihrem Leben und auch Ralf und Marius wagen neue Wege. Die weise Nonna erz\u00e4hlt uns ihre Geschichte \u00fcber die eigenen Grenzen und den Respekt vor denen der anderen. Eine Geschichte \u00fcber das Wagnis, zu leben und \u00fcber das Risiko, zu lieben. Eine Geschichte auch \u00fcber die Freundschaft und letztlich \u00fcber den Mut, sich selber treu zu sein. Eine kleine, unspektakul\u00e4re Geschichte, die Mut macht, dem Leben immer wieder eine neue Chance zu geben.<\/p>\n<h6><strong>Textprobe<\/strong><\/h6>\n<p><span style=\"font-family: Courier,monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Finger liegen auf den Tasten in Bereitschaft, gespannt auf die Buchstabenkombinationen, die sie tippen sollen. <\/span><\/span><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Da ist Schmerz, ja, doch Rona hat Lust darauf, gegen diesen Strom anzuschwimmen. Gegen diese Sog aus Angst, der sie mit sich in die Tiefe rei\u00dfen will. Doch dabei will sie nicht ertrinken, sich erinnern will sie. Etwas in ihr schnappt nach frischer Luft. Ge\u00f6ffnetes Fenster nach innen. So viele Ideen und Gef\u00fchle sind in ihr. Sie will sie befreien und in die Tasten flie\u00dfen lassen. Schreiben. Doch wo anfangen und wie? Mit welchen Buchstaben? Einer Komponistin gleich, versucht sie den Kl\u00e4ngen in ihr, und den schiefen T\u00f6nen, zu einer Melodie zu verhelfen. Sie will finden. Ihr Lied. L\u00e4sst Gedanken los. Durch Raum und Zeit gleiten. L\u00e4sst Vergangenheit Gegenwart ber\u00fchren, sachte nur. Zukunft fl\u00fcstert. Unverst\u00e4ndlich noch. Alles verdichtet sich zu einem einzigen Punkt in ihrer Mitte. Ist Ursprung. Ist Zeitlosigkeit. Rona begreift, dass da nichts Neues ist. Alles uralt, und doch soll auch Wiederholtes neu gef\u00fchlt werden. Erinnert und vertraut. [&#8230;]<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-CH\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Das Leben. Ein Gewebe. Ein Netz. Die Buchstaben &#8211; darin gefangen. M\u00f6chten m\u00f6glicherweise in Ruhe gelassen werden. Allein sein. Sie haben sich jedoch in ihrem Netz verfangen, Schmetterlingen gleich. Sind dennoch frei. Gefallen sich am besten als wilde Gesch\u00f6pfe. Jetzt sind sie da. Zu Besuch. In Ronas Kopf. Im Bauch. In den Fingerspitzen. Irgendwo. \u00dcberall. Zwar willig, aber nur vor\u00fcbergehend. Und ungez\u00e4hmt. Rona wird sie wieder freigeben. Doch nun will sie sie zusammensetzen. F\u00fcr Augenblicke nur &#8211; \u00e4therische Besucher &#8211; um sie dann wieder fliegen zu lassen.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Was tun wir euch an, ihr Buchstaben? Wir missbrauchen euch zu unseren Zwecken, blasen euch auf, bannen euch auf Papier, lassen euch die verr\u00fccktesten Versprechungen tun, die keiner halten kann! Und dennoch seid ihr frei. Freiheit wof\u00fcr und wovon? Niemandem was schuldig sein?<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\"><i>Manchmal m\u00f6chte ich auch so frei sein wie ihr, mich immer wieder neu zeigen und definieren d\u00fcrfen, kommen und gehen, wie es mir beliebt und einfach frei sein von all dem menschlichen Ballast um mich herum.<\/i><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Rona<i> <\/i>erschrickt \u00fcber ihre eigenen Gedanken. Sie wei\u00df doch, dass es ebendiese menschlichen Beziehungen sind, die ihr Leben sinnvoll und kostbar machen. Doch jetzt, genau jetzt, will sie einfach nur ihre Ruhe. <span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">[&#8230;]<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Sie schaltet ihren Laptop auf Stand-by und merkt, dass sie nicht schreiben <i>muss<\/i>. Sie <i>kann<\/i> jetzt nicht und sie <i>will<\/i> jetzt auch nicht. Sie will jetzt auch nicht lesen, nicht telefonieren und auch sonst nicht kommunizieren, sie will gar nichts.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-CH\" align=\"LEFT\"><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Aber sie muss. Und zwar aufs Klo. Im Bad bleibt sie lange stehen und betrachtet die Frau im Spiegel vor ihr.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-CH\" align=\"LEFT\">\u201e<span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Wer bin ich? Woher komme ich? Wo geh\u00f6re ich wirklich hin?\u201c Ihre Eltern sind vor vierzig Jahren aus Italien eingewandert und vor zehn Jahren wieder zur\u00fcckgewandert. Sie fanden sich nie ganz zurecht und f\u00fchlten sich hier heimatlos. Rona kennt dieses Gef\u00fchl gut.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-CH\" align=\"LEFT\">\u201e<span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Wo geh\u00f6re ich hin?\u201c, fl\u00fcstert sie ihrem Spiegelbild zu. Sie betrachtet sich eingehend. Die Haare wie in Tinte getaucht. Rona tr\u00e4gt sie heute zu einem schlichten Pferdeschwanz gebunden. Gefallen muss sie heute niemandem. Ausser sich selber. Doch nein, auch das muss sie nicht. \u00dcberhaupt nichts muss sie. Heute nicht. Sie darf sich auch mal nicht gefallen. Sie macht Grimassen und streckt sich die Zunge heraus. Dabei funkeln ihre fast schwarzen Augen wild und wirken nahezu gr\u00fcnlich.<\/span><\/span><\/p>\n<p lang=\"de-CH\" align=\"LEFT\">\u201e<span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Ich bin ein Cham\u00e4leon\u201c, fl\u00fcstert sie. Kein neuer Gedanke.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Leise Tr\u00e4nen schleichen sich aus ihren Augenwinkeln. Sie stellt fest, dass sie lebensm\u00fcde ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p class=\"western\">\u201e<span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Die Geheimnisse der Welt ergeben sich nur demjenigen, der bereit ist, sich von ihnen verwandeln zu lassen\u201c, sagt Michael Ende. Und steht mit schwarzem Kajal auf der Spiegelschrankt\u00fcre geschrieben.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">Schlie\u00dflich geht sie wieder ins Wohnzimmer und startet den Laptop doch wieder auf. Ein Schwarm von Buchstaben hat sich zusammengetan, wie Schwalben, und umkreist sie, formiert sich f\u00fcr seinen gro\u00dfen Flug. Einzelne Buchstaben tanzen ihr auf der Nase herum. Ronas Finger finden die richtigen Tasten von alleine.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">&#8212;<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Courier, monospace;\"><span style=\"font-size: small;\">auf dem d\u00fcnnen eis<br \/>\nder illusion von sicherheit<br \/>\ngeht die farbe<br \/>\ndie mich besch\u00fctzt hat<br \/>\nverloren<br \/>\nschwarzwei\u00df<br \/>\ngeworden<br \/>\nbreche ich ein<br \/>\nzu wenig kalt<\/span><\/span><\/p>\n<p>+++++++++++++++++++++++<\/p>\n<p><em>\u00a9 by Denise Maurer<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman | Arbeitstitel Der Titel dieses im Winter 2006 entstandenen Romanmanuskripts spielt auf die Grenzen unserer Vorstellungskraft an. Und auf Grenzen im allgemeinen. Die einen \u00fcberschreiten mutig eigene, die andern unbedacht die der anderen. Schaden und Nutzen, Freude und Leid, \u00dcbermut und Weisheit treffen aufeinander. Wo fangen sie an, unsere Geschichten, und wo h\u00f6ren sie&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":47,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"nosidebar.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-210","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/210","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=210"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/210\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1052,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/210\/revisions\/1052"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/47"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/denise-maurer.schriftgut.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=210"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}